Schweizer Nachwuchs

 

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Die Rückkehr der Jungen

Vor zwei Jahren stellte ZWÖLF fest, dass die Schweizer Klubs kaum mehr auf einheimische Talente setzen. Vielerorts versprachen die Verantwortlichen damals Besserung. Und tatsächlich: In dieser Saison haben junge Schweizer deutlich bessere Einsatzchancen – wenn auch nicht ganz überall.

Illustration: Silvan Glanzmann

«Die Warnung sollte man ernst nehmen», sagte Peter Knäbel bereits 2014. Der Deutsche war damals Technischer Leiter des Fussballverbands. Seine Sorge galt den enttäuschenden Auftritten der Schweizer Nachwuchsauswahlen. Besser geworden sind die seither kaum. Die U19 verpasste die letzten sieben EM-Endrunden, die U21 versuchte es drei Mal in Folge vergeblich. Zuletzt scheiterte man sogar schon zwei Mal vor den Barrage-Spielen. ZWÖLF begab sich vor zwei Jahren auf Ursachenforschung und stellte fest: Die jungen Schweizer erhielten in der Super League ausser bei YB kaum mehr Spielpraxis. Das sei alarmierend, schliesslich seien die Erfolge dieser Alterskategorie eine direkte Folge der vielen Einsätze in der Super League gewesen, so Knäbel damals.

Die Warnrufe wurden offenbar erhöht. Im Vergleich zu vor zwei Jahren  vertrauen die Super-League-Klubs heute deutlich mehr auf ihre jungen Kräfte. 53 für die Schweizer U21-Nati spielberechtigte Akteure stehen in den Kadern, 34 waren es bei der letzten Erhebung. Deren Chancen auf Spielpraxis sind zudem massiv gestiegen: Mehr als doppelt so viele Einsatzminuten wie vor zwei Jahren fallen auf unter 21-jährige Schweizer.

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Wenn man die Summe aller Einsatzzeiten der Super-League-Spieler auf 90 Minuten komprimieren würde, so würden davon 9 Minuten von Schweizern unter 21 Jahren absolviert. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch 2014.

Besonders erfreulich: Bei fast jedem Klub ist eine deutliche Steigerung der Einsatzminuten für junge Talente zu verzeichnen. Aufsteiger Lausanne führt das Ranking an. Über 23 Prozent aller Einsatzminuten werden unter Fabio Celestini von Schweizern mit Jahrgang 1995 oder jünger absolviert. Dass YB im Vergleich zum letzten Mal einen starken Rückgang erlebte, ist damit zu begründen, dass der Wert zuvor sehr hoch war und viele Kaderspieler nun knapp nicht mehr im U21-Alter sind. Einzig beim FC Basel sieht es für Einheimische düster aus: Diese Saison kam dort kein einziger junger Schweizer zum Einsatz. Dies relativiert sich aber dadurch etwas, dass FCB-Leihspieler anderswo Erfahrungen sammeln, wie etwa Itten beim FCL oder Hunziker bei GC.

Den grössten Aufschwung erlebten jene Klubs, die bei der letzten Untersuchung die hintersten Plätze belegten. Der FC St. Gallen – 2014 noch ganz ohne Einsätze von U21-Spielern – hat am meisten zugelegt, auch weil Silvan Hefti zum Stammspieler gereift ist. Auch der FC Luzern hat seine Philosophie grundsätzlich geändert: Gleich 9 Kaderspieler sind unter 21 – so viele wie sonst nirgendwo –, fast alle kamen schon zu Einsätzen. Der FC Sion derweil setzt wie kein zweiter Klub auf junge Kräfte. Über ein Viertel der Einsatzminuten fällt auf Spieler mit Jahrgang 1995 und jünger, nur ist man im Wallis internationaler aufgestellt. Die Stammspieler Mitryushkin und Akolo etwa haben keinen Schweizer Pass.

Die Schweizer Klubs sind für die Zukunft also gerüstet. Den einen oder anderen dieser Jungen werden sie einst gewinnbringend verkaufen können. Und die Zahlen lassen auch darauf hoffen, dass auch unsere Nachwuchsnationalteams bald wieder Erfolge feiern.

Unter 21-jährige in der Super League

– Für grössere Ansicht der Tabelle draufklicken –
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abowerbung Für die Wertung zählen alle Spieler mit Jahrgang 1995 und jünger, die für die Schweizer Nachwuchsauswahlen spielberechtigt sind. Nicht berücksichtigt wurden die Ersatztorhüter ohne Einsätze. Beim FC Vaduz zählen auch Liechtensteiner als «Schweizer».

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