SC Bümpliz 78

Als Kleiner zwischen Grossen

Der SC Bümpliz 78 ist der Quartierverein schlechthin. Er blieb es erstaunlicherweise auch, als er Anfang Neunzigerjahre plötzlich in der NLB gegen Basel spielte, Friedel Rausch über Kühe fluchte und ein Cup-Spiel gegen Xamax zur Razzia-Partie wurde.

Erschienen in ZWÖLF #14 (September/Oktober 2009)

Text: Wolf Röcken

buempliz

Bümpliz – ein Schweizer Vorort. Kein x-beliebiger, sondern wohl der Vorort schlechthin. Bümpliz gibt es nicht mal im Telefonbuch. Denn Bümpliz gehört seit seiner Eingemeindung im Jahr 1918 zur Stadt Bern und ist heute 3018 Bern. Bümpliz gehöre zum Spottrepertoire wie der Familienname Bünzli, höhnte 1992 gar die «Basler Zeitung» (BaZ). Wer Bümpliz sage, meine urschweizerische Provinz, vielleicht gar ein bisschen Füdlibürgertum. Und dennoch musste sich die BaZ zusammen mit dem sportlich interessierten Basel in den frühen Neunzigern um dieses Bümpliz kümmern. Denn damals spielte der grosse FC Basel in der gleichen Liga wie der kleine SC Bümpliz 78. Unter Trainer Friedel Rausch versuchte ein Basler Starensemble in der NLB-Westgruppe mit Spielern wie Ceccaroni, Berg und Sitek den Wiederaufstieg in die NLA zu schaffen und sah sich dabei Gegnern wie Chênois, Châtel-St-Denis, Freiburg oder eben Bümpliz, dem Aufsteiger aus der 1. Liga, gegenüber. Basel gegen Bümpliz, das sei fast ein Stück Realsatire, schloss die «Basler Zeitung» ihre Vorschau auf die erste Direktbegegnung der so unterschiedlichen Vereine. Verfasser der bissigen BaZ-Zeilen war übrigens der heutige FCB-Pressechef Josef Zindel.

0:7 verloren die Bümplizer in diesem August 1992 das Meisterschaftsspiel im Joggeli. Immerhin: Nach 81 Minuten hatte es noch 0:3 geheissen. Die Bümplizer Spieler konnten mit der Klatsche leben. «Für die meisten von uns war es einfach ein Riesenerlebnis, einmal im Joggeli zu spielen», erinnert sich das Bümplizer Urgestein Daniel Aebi, damals Spieler und heute Trainer der 1. Mannschaft. «Es war eine gewaltige Erfahrung, von der jeder einmal seinen Enkeln erzählen wird», sagt auch Andy Fimian im Rückblick.

 

Schlager singen in Wohlen

Fimian, der als 16-Jähriger unter Timo Konietzka bei GC zu ers-ten NLA-Einsätzen gekommen war, ist eng verbunden mit dem bis heute grössten Erfolg des Quartierklubs aus Bern West. Als gerade mal 27-Jähriger nahm er, nach den Stationen GC, St. Gallen, Grenchen und YB, ein Angebot der Bümplizer an, Spielertrainer zu werden. Noch wenige Monate vor dem Spiel im Joggeli hatte in Bümpliz noch niemand auch nur im Geringsten an eine Zukunft in der NLB gedacht. Doch die Truppe spielte sich bis in die letzte Aufstiegsrunde und traf dort auf neutralem Terrain im aargauischen Wohlen zum Entscheidungsspiel auf Tuggen. 4:1 siegten die Berner nach Penaltyschiessen. Die Spieler mit Namen wie Von Gunten Hansüelu, Todt Ändu, Aemmer Röschu oder Kübler Märcu stimmten den Hazy-Osterwald-Schlager «Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt. Sie müssen warten» an. Für sie alle war es der grösste Erfolg, seit sie Fussball spielten. Elf Akteure hatten schon bei den Bümplizer Junioren zusammengespielt.

«Wir haben damals ein eigentlich absolut utopisches Saisonziel in die Tat umgesetzt», sagt Andy Fimian. Dies, nachdem der Verein eben erst in die 1. Liga aufgestiegen war. Vereinspräsident Peter Nobs hielt im Kluborgan fest: «Sportlich macht der Aufstieg Sinn. Realistisch und über eine Saison betrachtet, ist die NLB, insbesondere wegen dem neuen Modus, für uns aber eine Nummer zu gross.» Nach der Saison 1992/93 sollte die NLB verkleinert werden, gleich sechs Mannschaften sollten absteigen

Der SC Bümpliz 78, erst 1978 aus der Fusion zweier Drittliga-Vereine entstanden, grub mit dem Aufstieg die Verhältnisse in der NLB um. Nur ein Spieler nebst Andy Fimian hatte Nationalliga-Erfahrung: Michel Maiano, der von Winterthur nach Bern West kam, weil ihm der Bümpliz-Vorstand hier eine Lehrstelle vermitteln konnte. Erst eine halbe Stunde vor Mitternacht und damit vor Ende der Transferperiode entschlossen sich die Bümplizer, die Ablösesumme für Maiano zu überweisen. So lange hatte der Vorstand überlegt, ob man sich mit den 8000 Franken nicht übernehmen würde.

«Wir waren gute Freunde, die zusammen Fussball spielten und nach dem Spiel noch zusammen essen gingen», sagt Daniel Aebi im Rückblick. «Bümpliz war wie eine grosse Familie. Dazu passte der absolut integre und umsichtige Vorstand», sagt Andy Fimian. Präsident Peter Nobs hatte Diskussionen um Profi- oder Halbprofitum früh abgewürgt. «Lizenzen werden bei uns keine gelöst», hielt er vor dem Start in die NLB fest. Telefonate mit Spielern, die sich anboten, dauerten nicht lange. Dabei hätte Nobs als Leiter einer UBS-Filiale gewusst, wo es Geld zu holen gibt. Als Einheitslohn erhielten die Amateure stattdessen Gutscheine für Ausrüstung, Benzin und Waren. Gesamtwert: gut 1500 Franken. «Kleine Entschädigungen gab es für Spiele an Wochentagen. Denn dann mussten die Spieler ja ihren Arbeitsplatz früher verlassen», erinnert sich Daniel Aebi. Die NLB-Spieler arbeiteten als Maler, Versicherungskaufmann, Spengler und kaufmännischer Angestellter. Drei, manchmal vier Mal pro Woche trafen sie sich nach der Arbeit zum Training.

 

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