Kommentar zu Behramis Nati-Aus

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Bild: SRF/RSI

Etwas gar einfach

In der Nati bahnen sich mehrere Rücktritte an. Valon Behrami spart nicht mit Kritik am SFV, die Menge folgt ihm blindlings. Dies wirkt überzogen. Ein Kommentar von ZWÖLF-Redaktor Silvan Kämpfen.

Was genau hat Vladimir Petkovic in seinem gestrigen Telefonat Valon Behrami mitgeteilt? Wir wissen es nicht. Wurde Behrami, so stellt es dieser dar, aus der Nati geworfen? Oder will der Nati-Trainer, so liest sich das Verbands-Communiqué, in den nächsten Spielen vorübergehend jüngere Spieler einsetzen, um einen etwaigen Umbruch vorausschauend zu planen? Italienisch sprechen beide Protagonisten. Sie müssten sich eigentlich verstehen.

Der SFV hat in den vergangenen Wochen miserabel kommuniziert – vor allem, indem sein Generalsekretär noch während der WM eine Debatte über Doppelbürger anstiess, die zwangsläufig ausarten musste.

Valon Behrami dagegen ist als «Krieger» zur Marke geworden. Er hat während 13 Jahren unbestritten viel geleistet für diese Nationalmannschaft. Spätestens seit der letzten WM und seinem legendären Blick auf den «sterbenden» Neymar darf er sich zu einem der beliebtesten Nati-Spieler überhaupt zählen.

Diese eindeutig verteilten Sympathiewerte hat sich der Udinese-Spieler am Montag zunutze gemacht. Er ist vorgeprescht, hat geschickt seine Social-Media-Kanäle und vertrauten Journalisten-Kontakte aktiviert, wie das moderne Spieler heute eben tun. Er hat so das Telefonat Petkovics öffentlich gemacht  und mit seiner eigenen Interpretation versehen.

Die Kritik am SFV nimmt damit kein Ende. Sie scheint in Zeiten von Doppeladler und Co. allerdings auch etwas gar einfach.

Zeit für einen Umbruch

Sportlich ist Petkovics Entscheid, in Zukunft weniger auf die Generation Behrami zu bauen, nachvollziehbar. Bei allen Nebengeräuschen darf man nicht ausser acht lassen, dass diese WM ein klarer spielerischer Rückschritt war gerade im Vergleich zur fulminanten EM 2016. Die Schweiz braucht neue Kräfte, will sie in Zukunft nicht an einem biederen Schweden hängenbleiben. Es liegt an Petkovic, diese zu finden, dafür müssen sie aber erst mal richtige Nati-Luft schnuppern.

Auch dass ein National-Trainer einen Spieler per Telefon kontaktiert, um ihm solche Gedankengänge im Rahmen eines Vorgesprächs mitzuteilen, ist völlig Usus; wenngleich die von Behrami ins Feld geführte Dauer von 30 Sekunden irritieren würde. Andererseits gibt es auch Trainer, die im Vorfeld eines Aufgebots überhaupt nichts kommunizieren.

Der öffentliche Support für Behrami scheint also etwas gar unreflektiert. Auch wenn sich Fans in solchen Situationen natürlich gerne auf die Seiten ihres Lieblings stellen.

Ein Profi-Fussballer sollte nicht vergessen, dass es kein Anrecht gibt auf einen Platz im Nationalteam. Es ist auch eine Frage der Demut, die Wahl eines Nationaltrainers zu respektieren und bereit zu sein, falls man doch wieder gebraucht wird.

Das Rücktritts-Communiqué von Gelson Fernandes, in welchem weder über den Verband noch über den National-Trainer ein schlechtes Wort verloren wird, zeigt, dass es auch anders geht.

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