Cantaluppi vs. Cabanas

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Zwei wie Pech und Schwefel

Wenn Ricardo Cabanas und Mario Cantaluppi aufeinandertrafen, flogen immer die Fetzen. Kaum eine Rivalität im Schweizer Fussball war ausgeprägter als diejenige zwischen den damaligen Leaderfiguren von GC und Basel. Lupo schaute für ZWÖLF #39 zurück auf die heissen Duelle.

Text: Mämä Sykora und Benedikt Widmer

«Dieser Typ ging mir einfach auf den Sack», sagt Mario Cantaluppi heute auf die Frage, weshalb er einst ausgerechnet mit Ricardo Cabanas so oft aneinander geriet. «Immer diese versteckten, kleinen Fouls; immer sein Lamentieren beim Schiedsrichter!» In einer Zeit, in der es in den Duellen zwischen den Grasshoppers und dem FC Basel um nicht weniger als die Vormachtstellung im Schweizer Fussball ging, war das Duell Cantaluppi gegen Cabanas die personifizierte Feindschaft.

Mit dem Aufstieg des FC Basel zur neuen Macht im Lande wurden die Zweikämpfe der Mittelfeldspieler ruppiger und unfairer. Ein erstes Rencontre gab es 2002, als Cantaluppi einen Elfmeter verwandelte und Cabanas ihm daraufhin den Weg zum Jubel verstellte. «Ich habe ihn weggeschubst. Ich musste einfach ein Zeichen setzen», rechtfertigt sich Cantaluppi. Damals konnten die Wogen noch geglättet werden. Nach der Begegnung in der Finalrunde im Meisterschaftsendspurt aber war das Tischtuch definitiv zerschnitten.

Vier Runden vor Schluss rannte der amtierende Meister aus Basel einem Drei-Punkte-Rückstand auf GC nach. Das Spiel zwischen den Rivalen war geprägt von Fouls und Nickligkeiten. Hauptdarsteller natürlich die Basler Nummer 11 und die Zürcher Nummer 15. Sekunden vor der Pause trat Cabanas gegen das Knie von Cantaluppi, der sich mit einem Kopfstoss revanchierte. Der Berichterstatter für die GC-Website sah gar drei Kopfstösse, wobei «der letzte den Hopper fast k. o. schlug». Es kam zu Tumulten, das Publikum tobte vor Entzückung darüber, das endlich wieder mal etwas lief in der Super League. «Nur gut, dass es in beiden Teams noch einige Besonnene gab, sonst hätte die Situation eskalieren können», kommentierte gcz.ch. Schiedsrichter Busacca stellte beide Akteure vom Feld.

Stolz ist Cantaluppi heute nicht auf seine Tat. Seinem achtjährigen Sohn, der ständig danach fragt, will er die Videoaufnahmen von damals nicht zumuten. Am Telefon gibt er zu: «Der Kopfstoss tut mir heute leid – aber ich brauchte das einfach. Und auch die Fans müssen schliesslich unterhalten werden.» Es war eine Explosion mit Ankündigung. Dem «SonntagsBlick» erzählte Christian Gross am Tag nach dem Spiel: «Mario hat vor dem GC-Spiel angedeutet, dass er für nichts garantieren könne.» Während der Basler Sünder reumütig erklärte, ihm fehle wohl in gewissen Szenen die Intelligenz, trat der Zürcher verbal nach: «Ich kann von Cantaluppi nicht mehr erwarten. Was der alles für private Probleme hat, finde ich schon genug schlimm.»

«Unterste Schublade» sei das gewesen, sagt Cantaluppi auch noch nach zehn Jahren. Cabanas habe den Ehrenkodex verletzt. «Ich könnte auch Details aus seinem Privatleben ausplaudern, aber das macht man einfach nicht!» Die «BaZ» liess «Lupo» trotz Cabanas’ halbherziger Entschuldigung wissen, er werde nie wieder ein Wort mit ihm reden. Köbi Kuhn, der die beiden Streithähne kurz nach dem Vorfall im Trainingslager erwartete, scherzte noch, er werde die beiden ins gleiche Zimmer stecken. Dass es nicht soweit gekommen ist, schätzt Cantaluppi im Nachhinein sehr: «Ich bezweifle, dass wir uns da im Griff gehabt hätten.»

In den Nati-Zusammenzügen ignorierten sich die beiden so gut wie möglich. In der Meisterschaft trafen sie glücklicherweise nicht mehr aufeinander. Cabanas ging nach Frankreich, Cantaluppi zu Nürnberg. Fast wäre es aber nochmals zu einem pikanten Aufeinandertreffen gekommen. 2006 machten Gerüchte die Runde, dass der Club an einer Verpflichtung Cabanas’ interessiert sei. Auch Cantaluppi wurde nach seiner Meinung gefragt. «Ich kochte innerlich vor Wut», gesteht er gegenüber ZWÖLF. «Aber weil ich ein Patriot bin und jedem Schweizer den Sprung in die Bundesliga gönne, sagte ich, dass Cabanas ein guter Fussballer sei. Mehr gab es nicht zu sagen.»

Ein Jahrzehnt ist seit der ersten Eskalation vergangen. Mittlerweile sagen sich die Erzfeinde zwar wieder Hoi und Tschau. Ganz verziehen hat Lupo dem «ach so lieben Ricci» indes nie: «Er hat Schwächen, die zeigten sich auch in diesem peinlichen ‹Rekordmeischter!›-Video wieder.» Dass Cabanas nun die Erwachsenenmatura macht, findet Cantaluppi gut: «Er soll sich weiterbilden. Das hilft.» Während Cantaluppi als Co-Trainer von Servette dem Fussball erhalten bleibt, lässt Cabanas seine Zukunft offen. Ein Geschichtsstudium würde ihn später allenfalls reizen, verriet er kürzlich dem «Tages-Anzeiger».

Die Schlachten, die er sich auf dem Platz einst mit Cantaluppi geliefert hat, gehören da kaum zum Unterrichtsstoff. Ganz dem Fussball abgeschworen hat er indes noch nicht: Als Co-Präsident des Vereins «2 Clubs, 1 Stadion» kämpfte er vergeblich für den neuen Hardturm. Noch muss man also die Hoffnung nicht ganz aufgeben, dass sich die beiden grössten Rivalen im Schweizer Fussball der Nuller-Jahre dereinst wieder als Trainer begegnen. Die Zuschauer würden sich jedenfalls auf das garantierte Brodeln freuen. Auch wenn Cantaluppi beschwichtigt: «Wir sind doch langsam erwachsen, oder nicht?». Nicht wie damals, mit zarten 30 Jahren.

 

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