SC Bümpliz 78

Friedel Rausch motzte über die Kuhweide

Man störte sich in Bümpliz kaum daran, von den Profi- oder Halbprofiteams der NLB unterschätzt oder belächelt zu werden. «Wir waren gerne die Bescheidenen», erzählt Fimian und lacht. In Basel oder bei anderen Gruppengegnern konnten sie sich lustig machen über Bümpliz, «hier spielen mussten sie ja früher oder später trotzdem». Beim FC Basel war dies im November 1992 der Fall. 2200 Zuschauer erschienen auf der Bümplizer Bodenweid zum Rückspiel, das ist bis heute Rekord im Kleinstadion am Waldrand. Mehr als ein 0:0 gab es für die Basler nicht zu holen. Nach dem Spiel mokierte sich FCB-Legende Karl Odermatt: «Ich staune ja schon, dass auf dem Feld am Morgen noch ein Drittliga-Spiel ausgetragen wurde.» Auch für Friedel Rausch war vor allem der Rasen verantwortlich für die Misere. An der Pressekonferenz polterte er: Es sei ja klar, dass der Platz in schlechtem Zustand sei, wenn man während der Woche offensichtlich Kühe darauf weiden lasse.

Bümpliz schlug sich nicht schlecht in der NLB, verlor viele Spiele knapp, gewann aber auch mal 5:1 gegen Grenchen. Doch der Amateurverein brauchte viel Kraft auf diesem Niveau. Das Pensum bringe ja seine Spieler schon ans Limit, fand der damalige YB-Trainer Martin Trümpler nach einem Spielbesuch: «Dann ist das für die Bümplizer Amateure, die jeden Tag zur Arbeit gehen, eine Spinnerei.» Bis zum letzten Spieltag war Bümpliz 78 im Rennen um den Ligaerhalt. Wiederum in einem Barrage-Spiel, diesmal gegen Urania Genf, konnten sich die Bümplizer nicht mehr retten. Nach einem 0:2 und einem 1:4 stand der Abstieg fest. «Das Abenteuer ist zu Ende», kommentierte die «Berner Zeitung». Die Bümplizer hätten ein Paradebeispiel dafür abgegeben, dass auch im bezahlten Mannschaftssport das Herz fast ebenso wichtig sei wie das Geld, so der Kommentator. Es sei mehr gewesen, als man habe erwarten können, hielt Präsident Peter Nobs fest und ergänzte: Eine weitere Saison NLB wäre sehr problematisch geworden.

 

Die Sutters, Spycher, Baykal

In Fussballkreisen ist Bümpliz ja durchaus bekannt dafür, Talente hervorgebracht zu haben. Allerdings spielten die bekanntesten darunter nicht in jenem Team, das den NLB-Aufstieg erreichte. René und Alain Sutter verbrachten in den Achtzigern ihre Juniorenzeiten bei Bümpliz; René Sutter kehrte 2001 als Spielertrainer gar zurück. Christoph Spycher trug von 1992 bis 1997 das Bümplizer Dress, Baykal, damals noch mit dem komplizierten Nachnamen Kulagsizoglu, zwischen 1996 und 2000. Auch ein ehemaliger Nati-Trainer hinterliess in Bümpliz Spuren: Unter Hans-Peter Zaugg war Bümpliz Ende der Achtzigerjahre in die 1. Liga aufgestiegen. Dass Bümpliz heute wieder einmal einen solchen Spieler hervorbringe, dafür schätze er die Chancen als nicht allzu hoch ein, sagt der aktuelle Bümpliz-Sportchef Eduard Helfer. Talentierte Junioren würden heute schon in viel jüngerem Alter bei YB landen als damals. Immerhin, so Helfer, bestehe ein Abkommen: Setze sich ein Junger bei YB nicht durch, werde der Stammverein darüber zuerst informiert.

Nach dem Abstieg nach der Saison 1992/93 blieb es ruhig um den SC Bümpliz. Dass der Verein 1996 als solider Erstligaklub in Zusammenhang mit der Mafia gestellt wurde – dafür konnten die Verantwortlichen nichts. Im Cup war Bümpliz der NLA-Spitzenklub Xamax zugelost worden. Die Berner verzichteten auf das Heimrecht für das Wochentagsspiel, weil es damals wie auch heute noch kein Flutlicht auf der Bodenweid gab. Für den «Blick» war Bümpliz damals der «geheimste Klub der Schweiz», der in Neuenburg die ganze Razzia- und Mafia-Erfahrung seines Chefs gnadenlos ausnützen könne. Hintergrund des simplen Boulevard-Stücks: Bümpliz-Präsident Peter Lehmann war Pressechef der Bundesanwaltschaft und somit die Stimme von Mafiajägerin Carla Del Ponte. Nach dem Spiel titelte der «Blick» aufgeregt: «Statt Razzia gabs Prügel». Na ja, ein 0:2 (zweites Tor in der 92. Minute) gegen das Spitzenteam mit Corminbœuf, Rothenbühler, Perret, Moldovan und Co. galt in Bümpliz nicht wirklich als Prügel. Nach dem Spiel klopfte Monsieur Gilbert Facchinetti an die Garderobentür. «Er gratulierte allen persönlich zur Leistung», erinnert sich Daniel Aebi.

 

Auf der Bodenweid wird jetzt umgebaut

Bis 1999/2000 hielt sich Bümpliz in der 1. Liga, dann folgte der Abstieg in die 2. Liga interregional. Dort spielt der Quartierklub mit der grossen Juniorenabteilung auch heute und sowohl Trainer Daniel Aebi als auch Sportchef Eduard Helfer finden, dass dies den Möglichkeiten entspreche. Familiär ists immer noch. Einige der NLB-Helden spielen bei den Bümplizer Senioren.

So wie Bümpliz einst die NLB umwälzte, so wird zurzeit auf dem Fussballplatz Bodenweid umgegraben. Die Besitzerin des Stadions, die Stadt Bern, baut rechtwinklig zum einstigen Hauptfeld und der Leichtathletikbahn zwei Kunstrasenplätze. Nur die kleine Tribüne erinnert noch an ein Stadion. Was mit ihr passiert, ist noch unklar. Wenn die Kunstrasenplätze fertig sind, wird die Tribüne an einem merkwürdigen Ort stehen: je zur Hälfte hinter den Cornerflaggen der beiden Felder. Bis der Umbau fertig ist, spielt Bümpliz auf dem bisherigen Trainingsfeld. Auf den neuen Feldern sollen mehr Klubs spielen und trainieren als bisher, Bümpliz wird etwas an den Rand gedrängt. «Wir müssen abwarten, was da auf uns zukommt», sagt Sportchef Helfer.

Was dies auch sein mag, Andy Fimian wird es wohl mitbekommen. Denn der heute 45-Jährige verfolgt die Geschehnisse in Bern West nach wie vor. Fimian führt heute die Fussballschule Schweiz, organisiert Trainings und Fussballcamps, trainiert Junioren, arbeitet aber auch noch als Wirtschaftsinformatiker. Er kann sich vorstellen, komplett auf Fussball zu setzen. Am liebsten in einem Umfeld, das mit jenem von Bümpliz damals vergleichbar wäre. Fimian schwärmt noch heute von jener Zeit. Er habe in seiner Karriere einiges gewonnen, und doch: «Der Aufstieg war fast schöner als ein Meistertitel.» Zum Abschied aus Bümpliz erhielt Fimian damals einen Zinnteller und sechs Flaschen Mouton-Rothschild. Der Wein steht noch heute im Keller. Öffnen will er ihn vorerst nicht. «Da müsste schon ein sehr spezieller Anlass kommen.»