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Fussball vs. Kultur

 

Fussballstadien werden in der Pause zum Ballermann, Leinwaldhelden für 90 Minuten zu Stolperkönigen. Nicht immer, wenn Fussball auf Kultur trifft, applaudiert das Publikum. Doch es geht auch anders.

 

Keiner geht mehr ins Theater. Doch Bühnen erhalten Staatsmillionen, der Fussball nicht. Vielleicht besser so.

Keine Zuschauer, Riesendefizit, mittelprächtige Kritiken. Nein, die Rede ist nicht von GC, sondern von einer anderen Zürcher Institution: dem Schauspielhaus. Wie GC hat auch das Schauspielhaus eine grosse Vergangenheit: Und vielleicht keine Zukunft. Während der Kriegsjahre, als GC seine Titel elf bis dreizehn feierte, wurden am Schauspielhaus Stücke von Bertolt Brecht uraufgeführt. Heute strampelt man sich mit Produktionen wie «$ex. Eine Bildkomposition von Mattthias Hartmann» ab. Und im Letzigrund wird Unterhaltung im Stile von «GC gegen Vaduz. Zwei Klubs am Rande der Bedeutungslosigkeit» geboten. Überhaupt diese Parallelen: Wie in Niederhasli klaffen auch am Züriberg Anspruch und Wirklichkeit meilenweit auseinander. Man träumt von der Champions League. Und bietet meist bloss Kleinkunst für ein aussterbendes Publikum. Dann die Sehnsucht nach grossen Namen: Was für GC Leo Beenhakker ist, ist für das Schauspielhaus Christoph Marthaler. Beide sollten Zürich an die europäische Elite heranführen. Von beiden blieben vor allem unerfüllte Erwartungen sowie ein Loch in der Kasse zurück. Das Geld schliesslich: Natürlich sind sowohl GC als auch das Schauspielhaus notorisch klamm. Doch während Erich Vogel und seine Vorstandskollegen auf den Geldsegen aus der Wüste hoffen, haben die Theaterleute ihren spendablen Emir bereits gefunden: die Stadt Zürich.

In diesem Punkt liegen zwischen Schauspielhaus und GC Welten: Für die Spielzeit 2006/07 erhielt das Schauspielhaus mit Nebenbühnen von der Stadt stolze 30 Millionen Franken. Pro Besucher zahlte die Stadt in den Jahren 1993 bis 2006 193 Franken drauf. Bei GC öffnete während dieser Zeitspanne dagegen Gartenbaumeister Werner H. Spross das Füllhorn.

Man ahnt es: Der Staat liebt seine Theater und Opernhäuser. Vom Fussball lässt er die Finger. An der Gunst des Publikums kann es nicht liegen: Pro Saison wollen rund 340 000 Zuschauer die beiden Zürcher Fussballvereine live sehen. Pfauen und Schiffsbau dagegen hatten 2006/07 gerade mal 160 000 Besucher. Doch Theater gilt als Hochkultur. Fussball dagegen gehört für den Staat in die unterste Schublade. Das provoziert Widerstand. Und lässt Träume hoch fliegen: Allein mit den Zuwendungen an das Schauspielhaus könnte man allen Besuchern der Heimspiele von GC und FCZ den Eintrittspreis erlassen. Und mit den 90 Millionen, welche Zürich jährlich für die Kultur ausgibt, könnte auf dem Transfermarkt richtig zugelangt werden. Ronaldinho statt Perreira, gewissermassen. Unrealistisch für eine so kleine Stadt wie Zürich? Ach was, das Opernhaus leistete sich kürzlich ja auch die weltbeste Sängerin Anna Netrebko. Zum Glück randalieren Besucher von Hochkultur-Anlässen überaus selten bis eigentlich gar nie. Sonst würden auch noch Sicherheitskosten wie beim Fussball anfallen… mehr im neuen heft.