Euflopacup!

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Euflopa-Cup!

Nachdem der FC Sion mit 0:3 in Litauen verhauen worden ist, präsentieren wir euch hier die peinlichsten Schweizer Europacup-Pleiten. Aus ZWÖLF #33 (und aktualisiert).

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UEFA-Cup-Quali 2003/04: YB  MyPa Anjalankoski 2:2 (Hinspiel 2:3)

Dabei war alles so schön angerichtet. Erstmals seit 10 Jahren durfte YB wieder europäisch spielen! Nichts konnte die Freude trüben. Nicht das Aus im Cup gegen Malcantone Agno, nicht das 2:3 auswärts im Hinspiel der UEFA-Cup-Qualifikation 2003 gegen die finnischen Amateure von MyPa. Die «Berner Zeitung» bezeichnete es sogar als «eigentliches Wunschresultat», weil so das Publikumsinteresse beim Heimspiel grösser sei. Die Bühne war das Joggeli – das Stade de Suisse war noch nicht fertig –, wo die Zukunft simuliert werden sollte. Für 200 000 Franken offerierte YB den scharenweise angereisten VIPs «geräucherte Forellen, Kalbskarree, Eglifilets und junge Kartoffeln mit Thymian», sogar die YB-Wurst wurde nach Basel transferiert. Nur das Spiel wollte nicht so recht zum Event passen. Zwei Sermeter-Tore reichten nicht zum Weiterkommen, das 2:2 fiel 5 Minuten vor Schluss. Eine «kolossale Blamage», meinte die BZ. Und hatte damit nicht unrecht.

 

 

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Cupsieger-Cup 1961/62: Leixões La Chaux-de-Fonds 5:0 (Hinspiel 2:6)

Mit einem 1:0 über Biel holte sich La Chaux-de-Fonds 1961 zum sechsten und letzten Mal den Schweizer Cup und qualifizierte sich zum ersten Mal für den Europacup. Der Gegner in der ersten Runde war ein machbares Los, gehörte doch Leixões wahrlich nicht zu Portugals Top-Adressen. Im Hinspiel auf der Charrière machte das Team um die Stars Kiki Antenen, Roberto Frigerio, Willy Kernen und Léo Eichmann denn auch alles klar und schickte die Portugiesen mit einem 6:2 nach Hause. Was konnte also im Rückspiel noch geschehen? Leixões machte zwar Druck ohne Ende, zur Halbzeit hielt sich der Schaden indes mit 0:2 noch in Grenzen. Doch nach dem Wechsel brachen die Neuenburger völlig ein, kassierten noch drei weitere Gegentore und stellten damit einen traurigen Rekord auf: Bis zum 6:1 von Barça über PSG in der letzten Saison hatte nie eine Mannschaft einen derart komfortablen Vorsprung preisgegeben. Mehr zum Spiel mit dem Plastik-Ball und Erzählungen dazu von Goalie Léo Eichmann gab es in ZWÖLF #53 zu lesen.

 

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Cupsieger-Cup 1965/66: 1. FC Magdeburg FC  Sion 8:1 (Rückspiel 2:2)

Fulminant war auch der erste Auftritt des FC Sion auf der europäischen Bühne. Mit dem Cupsieg 1965 begann eine wunderbare Geschichte, die auch gleich im Cup der Cupsieger eine Fortsetzung fand. In der ersten Runde wurde Galatasaray gleich 5:1 besiegt, im Achtelfinale wartete der 1. FC Magdeburg, der sich regelmässig im Mittelfeld der DDR Oberliga klassierte. Zuversichtlich reisten die Walliser mit dem Zug in den deutschen Osten und kassierten dort die höchste Klatsche aller Zeiten eines Schweizer Vereins im Europacup: 1:8 vor 8700 Zuschauern.

 

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UEFA-Cup-Quali 2008/09: Lech Poznan  GC 6:0 (Rückspiel 0:0)

Ohne Bobadilla sei GC nur eine durchschnittliche Truppe, liessen die Verantwortlichen von Lech Poznan vor dem UEFA-Cup-Qualispiel 2008 wissen. Sie hatten sich getäuscht, wie die 90 Minuten im Mijeski-Stadion in Poznan zeigten. Denn GC war selbst vom Durchschnitt weit entfernt. Die Defensive mit Voser, Vallori, Colina, Daprelà war inklusive Goalie Jakupovic heillos überfordert, während die 16 000 die Dutzenden von Chancen ihres Teams singend mit «Zürich Auf Wiedersehen» begleiteten. Trotz der 0:6-Schlappe – mit zwei Toren von Lewandowski – entschuldigte Trainer Latour seine Spieler: «Schauen Sie doch, woher die kommen: Entweder sind sie noch sehr jung, oder sie kommen aus tieferen Ligen.» Die Demütigung fand zwei Wochen später eine Fortsetzung: Wegen des Leichtathletik-Meetings musste GC in die AFG-Arena nach St. Gallen ausweichen und sich beim 0:0 ununterbrochen die hämischen Gesänge der 1500 dennoch angereisten Lech-Fans anhören. Ausser dem Gästeblock blieb das Stadion wenig überraschend leer.

 

UEFA-Cup-Gruppenphase 2005/06: GC, 0 Punkte

Als «machbar» stufte der «Tages-Anzeiger» 2005 die UEFA-Cup-Gruppe von GC mit Middlesbrough, Alkmaar, Liteks Lowetsch und Dnjepropetrowsk ein. Nach zwei Spieltagen und zwei Niederlagen drohte das Europacup-Abenteuer einmal mehr früh zu enden. Glücklicherweise waren die Ukrainer ebenso schlecht gestartet und steckten zudem in der Meisterschaft im Abstiegskampf, weshalb sie ihre Stammspieler schonten und das B-Team im Hardturm auflaufen liessen. Auch GC musste auf einen Leistungsträger verzichten, denn Sturmhoffnung Eduardo hatte sich am Tag zuvor einen Muskelfaserriss zugezogen – beim Treppensteigen. Angesichts des garstigen Novemberwetters hatte Latour vorgeschlagen, die Partie über Mittag auszutragen und jedem Zuschauer noch eine Suppe zu geben. Ein mittelgrosser Suppentopf hätte bereits gereicht, um die wenigen Hartgesottenen und die Handvoll ukrainischer Exilanten im Stadion zu verköstigen. «Sind wir satt?», hatte Latour schon nach der Niederlage in Bulgarien auf die Tafel geschrieben. Alleine damit konnte die erschreckende Leistung der Hoppers gegen das mässig motivierte Dnipro nicht erklärt werden. Erst als die Osteuropäer nach dem 3:0 ganz aufhörten zu spielen, kam das Heimteam noch auf ein Tor heran. Die Kampagne beendete GC dann zwei Wochen später – mit der vierten Niederlage im vierten Spiel.

 

UI-Cup 2007: St. Gallen Dacia Chisinau 0:1 (Hinspiel 1:0), 0:3 n.P.

128 Jahre alt war der FCSG im Jahre 2007 schon, der Gegner im UI-Cup, Dacia Chisinau aus Moldawien, existierte gerade mal 7 Jahre. Ein «ungenügender Auftritt» («St. Galler Tagblatt ») reichte immerhin für einen 1:0-Sieg in der Fremde, dessen einsames Highlight ein betrunkener moldawischer Fan war, der ungehindert den ganzen Platz überqueren konnte. Das Heimspiel sollte für die Ostschweizer nur Pflichterfüllung sein. Nicht einmal 2000 Zuschauer wollten die Partie sehen, die zu einem Desaster wurde. Das Mittelfeld war «völlig harmlos», das Abwehrverhalten «katastrophal» und die Chancenauswertung «kläglich». Logische Folge: Das Gegentor in der 56. Minute. Auch im Penaltyschiessen brachten die St. Galler in gutschweizerischer Manier keinen einzigen Ball im Tor unter. So durfte Chisinau in der nächsten Runde gegen den HSV die Kassen füllen, beim FCSG musste Fringer zwei Monate später gehen, doch auch Balakow konnte den Fall in die Challenge League nicht verhindern.

 

Cupsieger-Cup 1980/81: Haugesund  Sion 2:0 (Hinspiel 1:1)

Für die Norweger des SK Haugar Haugesund war es bereits ein riesiger Erfolg, europäisch zu spielen – zum ersten und einzigen Mal in der Vereinsgeschichte. Und dies trotz verlorenem Cupfinal, denn Gegner Viking kam 1980 auch zu Meisterehren. Für die ambitionierten Sittener sollte dies kein Stolperstein darstellen, und man suchte sich schon mal die Lieblingsgegner für die nächste Runde aus. Im Tourbillon kamen Brigger & Co. indes nicht über ein 1:1 hinaus, und das Rückspiel im hohen Norden versprach einige Schwierigkeiten: Beim Anblick des Platzes wurde den Wallisern schnell klar, dass darauf kein gepflegtes Spiel möglich sein würde. Dank unzähligen Helfern kriegten es die Norweger irgendwie hin, dass der Schiedsrichter das Spielfeld für akzeptabel befand. Mit dem Schlamm kam das Heimteam dann deutlich besser zurecht und feierte mit dem 2:0 einen historischen Sieg. Wie peinlich das Aus der Sittener war, zeigte dann die nächste Runde: Haugesund wurde von Newport County aus Wales aus der 4. englischen Division mit 6:0 zerlegt.

 


Champions League 1995/96: GC Ferencvaros 0:3

Bei GC jubelte man 1995 nach der erstmaligen Qualifikation für die Champions League über mindestens 6 Millionen Franken Einnahmen, und Trainer Christian Gross wusste: «Die Erwartungshaltung ist gross, die Fans sind mit der Qualifikation allein noch nicht zufrieden.» Manager Erich Vogel sprach derweil davon, dass man nun den ersten Schritt vollzogen habe, um die Hoppers zu einem europäischen Grossklub zu machen. Bei so viel Selbstbewusstsein war es gerade recht, dass als erster Gast in der Königsklasse die bescheidenen Ungarn von Ferencváros in den Hardturm kamen, die auch noch verletzungshalber auf fünf Stammspieler verzichten mussten. Das Tiefstapeln von Trainer Novák («Wir haben nicht einmal Geld für Fussballschuhe!») zahlte sich aus, denn GC gab sich der Nonchalance hin. Zahlreiche Chancen wurden ausgelassen, Gren leistete sich innerhalb von 3 Minuten zwei Gelbe Karten (Roy Hodgson: «Der Ref muss verhext gewesen sein!»), Murat Yakin verschoss einen Elfer, dafür trafen die Ungarn in der letzten halben Stunde drei Mal. Für die 900 000 Franken Siegesprämie gabs dann doch einige Fussballschuhe.

Bildnummer: 01245796 Datum: 04.09.2004 Copyright: imago/Ulmer Markenzeichen: Torwart Jens Martin Knudsen (Färöer Inseln) spielt mit Pudelmütze; Nationaltrikot, Vdig, hoch, close, Torhüter, Keeper, Mütze, Kopfbedeckung, Qualifikation 2004, Länderspiel, Nationalmannschaft, Nationalteam, Basel Fußball Länderspiel Herren Mannschaft Einzelbild Aktion Personen

UI-Cup 2000: Luzern Leiftur Ólafsfjörður 4:4 (Hinspiel 2:2)

Der Reiseplan stand schon: Am Donnerstag wollte man nach Sedan reisen, um dort zum Hinspiel der 2. Runde des UI-Cups 2000 anzutreten. Dummerweise musste Luzern zuvor noch kurz die isländischen Freizeitfussballer von Leiftur Ólafsfjörður (850 Einwohner) aus dem Weg räumen. Das 2:2 auf der Insel – verfolgt von 250 Zuschauern, die des starken Winds wegen mehrheitlich im Auto blieben – war zwar peinlich, aber Sorgen machte sich beim FCL keiner. Spielertrainer der Isländer war damals Jens- Martin Knudsen, der bekannte Goalie von den Färoern mit der Wollmütze. Und der bekam im Stadion Allmend denn auch einiges zu tun. Vier Mal musste er hinter sich greifen, weil aber seine Vorderleute den Zentralschweizern ebenso viele einschenkten – nie hatte ein isländisches Team mehr Tore im Europacup erzielt –, musste der FCL tief beschämt die Frankreich-Reise kurzerhand abblasen. Andy Egli nahm das höchst blamable Aus auf seine Kappe: «Ich habe Leiftur wie schon in Island nicht ernst genommen und so Coachingfehler begangen, die letztlich zum 4:4 führten.» Die Spieler traf freilich keinerlei Schuld.

 

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Europa-League-Quali 2015: Karabach Agdam – YB 3:0 (Hinspiel 1:0)

Nach einem mässigen Saisonstart und dem Champions-League-Quali-Aus gegen Monaco wurde Uli Forte 2015 bei YB entlassen. Assistent Harald Gämperle übernahm ad interim und sollte die Berner zumindest in die Europa-League-Gruppenphase führen. Reflex: Gegen einen Klub, von dem man noch nie etwas gehört hat, sollte das erst recht möglich sein. Doch diese kulturelle Unbewandertheit hat sich im europäischen Fussball noch oft gerächt. Für Karabach aus Aserbaidschan liefen nämlich Richard, Quintana oder Reynaldo auf, und die spielten genauso klangvoll wie ihre Namen. Nach dem 0:1 in Bern konnten die Young Boys auch am Kaspischen Meer das Ruder nicht mehr herumreissen. Nach einem frühen Platzverweis gegen von Bergen ging man 0:3 unter – unter der „Blick» durfte seine Wortspiele machen: «den Karabach runtergehen», «Debaku», «Sackschwach gegen Karabach». Harald Gämperle lobte seine Akteure nach dem Match für ihren «grossen Einsatz». Die «Berner Zeitung» dagegen attestierte dem Klub «Bestnoten im Schönfärben».

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Europa-League-Quali 2014: St. Johnstone – Luzern 1:1 (Hinspiel 1:1), 5:4 n.P.

In der 2. Qualifikationsrunde warten keine klingenden Namen. Das stellte auch der FC Luzern fest, als er 2014 gegen St. Johnstone antreten musste. Der Klub aus dem schottischen Perth, besser bekannt für Golf-Turniere als Fussball, hatte in der Saison zuvor erstmals den Cup gewonnen. Beim 1:1 im Hinspiel vergaben die Luzerner Chancen für einen Kantersieg. Das Weiterkommen schien formsache. Vielleicht liess Carlos Bernegger im McDiarmid-Park auch deshalb zahlreiche Stammspieler draussen. Über ein 1:1 kamen die Zentralschweizer aber auch in dieser Partie nicht hinaus. Im Penaltyschiessen versagten bei Marco Schneuwly darauf die Nerven. Die Pleite gegen die biederen Schotten ist der bisherige Höhepunkt einer traurigen Serie des FC Luzern in der Europa-League-Qualifikation. Fünf Mal hintereinander ist man inzwischen schon gescheitert. Aus Gegnersicht trägt man halt auch keinen klingenden Namen.

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