Die Superliga

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Die Liga der aussergewöhnlichen Gierschlunde

Wie die FAZ enthüllte, arbeiten die Topklubs derzeit hinter den Kulissen an einer neuen Superliga, die noch über der Champions League stehen soll. Es wäre ein beispielloser Kniefall der UEFA vor den mächtigsten Klubs. Ein Kommentar.

Von Mämä Sykora

Lasst die Korken knallen! Es gibt etwas zu feiern! Endlich sorgt der Fussball mal wieder für positive Schlagzeilen: Die Superliga soll kommen! Ein Wettbewerb, der ausschliesslich den allergrössten und populärsten Klubs vorbehalten sein soll. Ist das nicht ganz supertoll?

Endlich ist fertig mit diesem unnötigen Champions-League-Leerlauf. Wer will denn schon sehen, wie sich die Meister der Zwergen-Ligen monatelang in der Vorrunde abschlachten lassen? Malmö, Borisov oder Dinamo Zagreb – alles schön und recht. Aber solch unattraktives Kanonenfutter verwässert doch einfach die sportliche Qualität und ist schlicht langweilig.

Nur wegen den Grossen schauen doch die Leute Champions League! Klar tanzt die UEFA nach deren Pfeife. Aufstockung der Champions League? Geritzt. Fixe Startplätze und bis zu vier Teilnehmer für die grossen Länder? Sowieso. Immer höhere Prämien und immer grösserer Anteil an den TV-Geldern? Volontiers, messieurs! Nach dem knappen Weiterkommen gegen Juve forderte Karl-Heinz Rummenigge gar, man müsse in Zukunft verhindern, dass seine Bayern schon im Achtelfinale einen so starken Gegner bekommen. Ja, im vollen Ernst.

«Ich habe in den Achtelfinals Spiele gesehen, da habe ich fast abgeschaltet von der Qualität her. Irgendwann muss man bei der UEFA darüber nachdenken, ob man dem Schicksal seinen Lauf lässt. Das ist in der Zukunft nicht mehr tragbar. Mir reicht es langsam mit dem Schicksal. Wir sprechen über Image, über Geld, über Meriten.» – Karl-Heinz Rummenigge

Einst brauchten die Giganten des europäischen Fussballs noch die Drohung einer eigenen Liga, damit die UEFA auch wirklich kuschte. Diese verpackte dann die Änderungen zugunsten der Grossklubs in leere Worthülsen wie «Demokratisierung» und «Öffnung» und warf gleichzeitig den Zwergen einige Brosamen hin. Gottseidank ist diese Zeit vorbei! Heute darf man endlich ehrlich sagen, was man will. Und das ist – gemäss Informationen der FAZ – «eine Luxusliga mit selektiverer sportlicher Qualifikation und dadurch höherer Attraktivität sowie gesteigertem Vermarktungspotenzial.» Und wer darf mitmachen? «Geredet wird über spezielle Punktesysteme. Hier soll wohl auch die Stärke der jeweiligen Liga einfliessen. Zur Diskussion stehen ebenfalls Faktoren, die sich auf die Attraktivität der Vereine und ihre Bedeutung im Marketing.»

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Leicester City: Die Superliga soll endgültig verhindern, dass solche Märchen weiterhin möglich sind.

Oder anders formuliert: Kein Zutritt für Klubs, welche nur mit solchen Lappalien wie sportlichem Erfolg auf sich aufmerksam machten. Entweder man gehört zum Fussball-Adel oder nicht. Manchester United ja, Leicester nein. Oder wollen die Leute in Asien oder den USA – ja, auch dort will diese Superliga spielen – etwa Leicester sehen? Eben. Und was nicht geschaut wird, wird nicht gesponsert. Und wenn nicht genug gesponsert würde, dann hätte ja Manchester United nicht diesen finanziellen Vorsprung, damit es sich eben wieder vor Leicester platziert. Denn heutzutage bekommen ja selbst die unerhört viel Geld. So geht das nicht.

Deshalb muss nun fertig sein mit diesem kommunistischen Gewäsch. Aufwertung der Europa League – wozu denn? Basteln wir doch besser noch eine Liga über die Champions League und stellen diese Verlierer-Cups ganz in den Schatten. Und wenn sie dann wieder jammern, dass die heimischen Ligen mit ihren Seriensiegern so langweilig sind, dann sollte man einfach entgegnen: Die anderen Klubs sind doch selber schuld, dass sie so schwach sind, dass sie Klatsche um Klatsche gegen die Topklubs kassieren! All diese Getafes und Troyes’ und Frankfurts: Nur weil ihr keine Investoren oder UEFA-Millionen habt, müsst ihr doch nicht gleich so abstinken!

Jetzt kommt aber alles gut. Endlich. Denn die UEFA hat ihren Widerstand ganz aufgegeben. Financial Fairplay – einst als Drohung gegen die Vereine mit Verschwendungssucht gedacht – ist nur noch ein zahnloses Monster. Und zur einstigen Warnung des Kontinentalverbandes, die teilnehmenden Klubs im Falle einer Gründung einer solchen geschlossenen Superliga von den nationalen Meisterschaften auszuschliessen, passt eigentlich nur das Bonmot von Konrad Adenauer: «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?» In der aktuellen Diskussion war nämlich ein solcher Ausschluss lustigerweise gar nie ein Thema. Konsequent wär’s ja schon. Nur noch Gigantenduelle, keine Pflichtübungen mehr, und im Gegenzug dürften sich die bemitleidenswerten Zurückgebliebenen wieder über so etwas wie Spannung in ihren Meisterschaften freuen. Klingt eigentlich nach einer guten Idee …

Aber halt! Schliesslich brauchen die Topklubs die nationalen Ligen noch, um auch dort noch bei den TV-Geldern abzukassieren. Dafür nehmen die Bayern und PSG bestimmt gerne 38 Trainingsspiele in Kauf. Mit der Superliga kriegen sie den Fünfer, ohne dass ihnen jemand das Weggli wegnehmen will. Das ist doch grandios! Und ein klares Zeichen, wohin die von Platini und Infantino geprägte UEFA will: In eine Fussballwelt, die sich auf einen kleinen glamourösen Kreis konzentriert. Der Rest interessiert doch sowieso keine Sau. Richtig?

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