Die besten Trainer

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Der gute Trainer ist Lateiner

Die EM hat gezeigt: Individuelle Klasse alleine garantiert längst keine Erfolge mehr. Die Trainer sind wichtiger denn je. ZWÖLF wollte wissen, wo man diese findet.

Vieles wird wohl kaum in Erinnerung bleiben von der Europameisterschaft 2016. Es gab keine denkwürdigen Spiele, Lucien Favre empfand die Qualität gar als grauenhaft, und neue fussballerische Erkenntnisse konnte man aus den 51 Spielen auch keine ziehen. Doch immerhin einen Schluss liess das Turnier in Frankreich zu: Die Bedeutung des Nationaltrainers wird offenbar weitgehend sträflich unterschätzt.

«Sélectionneur» heisst der Job mit der Nationalmannschaft im Französischen, doch es reicht längst nicht mehr, die besten Kicker des Landes zu selektionieren. Auch wenn Roy Hodgson da anderer Ansicht war: «Nicht Formationen gewinnen Spiele, sondern Spieler. Wenn die Spieler gut genug sind, finden sie während der Partie von alleine ihre Formation», sagte er vor Turnierbeginn. Dass dies nicht genug ist, musste er gegen Island schmerzlich erfahren. Ohne ersichtliche Taktik, ohne Plan rannte sein Team in den Untergang. Selbst die einstigen Fussballzwerge sind mittlerweile taktisch so gereift, dass sie den haushohen Favoriten widerstehen können, wenn sich diese zu sehr auf Momente ihrer Schlüsselspieler verlassen.

Es mag zutreffen, dass der Einfluss eines Nationaltrainers während der Qualifikation begrenzt ist, da der Kader jeweils nur für einige Tage zusammen ist. In der Vorbereitungsphase auf ein grosses Turnier indes ist es möglich, einer Mannschaft den Stempel aufzudrücken und mit taktischem Geschick die Leistungsfähigkeit eines Teams massiv zu steigern. Petkovics Nati war gegenüber den Testspielen nicht wiederzuerkennen, Contes Italiener besiegten trotz deutlich weniger individueller Klasse Belgien und Spanien und zwangen die Deutschen ins Elfmeterschiessen. Andersrum scheiterten besagte Engländer an der Slowakei und Island, die mit Hochkarätern bestückten Belgier schieden gegen Wales aus.

Dass schliesslich Portugal diese EM gewinnen konnte, ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass das taktische Verständnis des Nationaltrainers und seinen Spielern mehr Wert ist als deren individuelle Fähigkeiten. Fernando Santos hatte gewiss nicht die besten Spieler zur Verfügung, aber kein Team fand ein Mittel gegen seine Mannschaft.

Angesichts der grossen Bedeutung der Trainer wollte ZWÖLF natürlich wissen, woher denn die besten Trainer überhaupt kommen. Wir haben bei den 30 besten europäischen Klubs nachgeschaut – also jene mit dem höchsten UEFA-Team-Koeffizienten –, und deren Männer an der Linie nach Nationalitäten aufgestellt. Die meisten Übungsleiter bei den Top-Teams stellt Spanien mit 6, dahinter folgen Italien, Portugal und Deutschland mit je 5. Auffallend ist dabei, wie stark die Lateiner den Ton angeben. Sie stellen 21 der 30 Trainer. Noch ausgeprägter ist das Bild, wenn man nur jene Mannschaften untersucht, die auf einen ausländischen Trainer setzen: 13 von 16 kommen aus dem lateinischen Sprachgebiet. Kein einziges Top-Team beschäftigt hingegen einen Briten, und auch niederländische Trainer waren schon weitaus gefragter. Stilprägend ist heute die Fussballschule aus dem Süden.

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