Adi im Winterview

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«Auch beim FCZ benehmen wir uns nicht immer wie Erwachsene»

Adrian Winter trifft am Mittwoch im Cup auf seinen Jugendklub, den FC Red Star. Zwei ehemalige Teamkollegen der B-Junioren trafen ihn Ende 2016 für Ausgabe #58 zum ZWÖLF-Interview.

Interview: Silvan Kämpfen und Benjamin Rothschild / Fotos: Reto Schlatter

Ein spätes Debüt in der höchsten Spielklasse, eine Lehre als Elektromonteur, ein Abstecher in die USA: Adrian Winter hat einen so gar nicht typischen Weg im Profifussball hinter sich. Nun ist der unermüdliche Kämpfer wieder in Zürich, wo einst alles begonnen hat. Zum Gespräch treffen ihn zwei ehemalige Teamkollegen der B-Junioren des FC Red Star. 

Auch wenn er zuvor nie beim FCZ spielte: Mit seinem Wechsel in die Stadt Zürich im Sommer 2016 schloss sich für Adrian Winter ein Kreis. In der Allmend Brunau, dort, wo die erste Mannschaft des FCZ trainiert, begann für den Jungen aus Thalwil die Reise in die grosse Fussballwelt. Hier wurde er als Junior des FC Red Star von einem gewissen Uli Forte entdeckt – von jenem Mann, der damals, vor gut zehn Jahren, als Spielertrainer für den Quartierklub tätig war.

Fortes schrittweiser Aufstieg ins Trainergeschäft führte von Red Star über den FC Wil zum FC St. Gallen. Bei all diesen Stationen immer an seiner Seite: Adrian Winter, der sich erst richtig von seinem ersten Coach emanzipieren sollte, als er 2011 zu Murat Yakin nach Luzern wechselte. Beim FCZ treffen sie nach Jahren wieder aufeinander, der Mentor und sein Zögling.

Doch Forte ist nicht der Einzige mit Red-Star-Vergangenheit, den Winter nach seiner Rückkehr nach Zürich im FCZ-Umfeld antraf: Auch seine früheren Teamkollegen bei den Junioren haben sich über seinen Transfer zurück in ihre Nähe sehr gefreut.

So sehen auch die Autoren dieses Interviews in Adrian Winter nicht nur den FCZ-Flügelflitzer mit der Rückennummer 7, sondern auch einen ehemaligen Mitspieler und Kollegen. Dank ihm haben wir ständig die Zeit vor Augen, als auch wir noch den Traum von der grossen Fussballkarriere lebten.

Und natürlich kennen wir noch einen anderen Adi als jenen vermeintlichen Musterprofi, der heute im Scheinwerferlicht ja immer auch mit der von einem Spitzenspieler erwarteten Seriosität und Bedeutungsschwere auftreten muss (was ihm sympathischerweise nicht immer gelingt): jenen Adi, der die mies gelaunte Kassiererin in der Red-Star-Kantine mit seinen Witzen zur Weissglut trieb; der in der Kabine immer für fragwürdige Streiche aller Art zu haben war; der sich im Trainingslager in der Südtürkei «verletzt» meldete und sich Cocktails am Hotelstrand servieren liess, während seine Kollegen in der Gluthitze Steigerungsläufe absolvieren mussten – um dann, als am Ende der Woche das Spiel gegen die lokale Auswahl anstand, wundersam auf den Platz zurückzukehren.

Die Anekdoten aus der Vergangenheit, die Saison als er mit Red Stars «goldener Generation» D-Junioren-Elite-Meister wurde, seine Schwalbe in einem Spiel gegen YF Juventus kurz vor Schluss und die tobenden Italo-Väter am Spielfeldrand, die ihm an die Gurgel wollten – Adi hat das alles nicht vergessen.

Er erinnert sich an zahlreiche Details und sagt, dass er heute noch Hühnerhaut bekomme, wenn er darüber spreche. Heute, als Profi mit Länderspielerfahrung. Nur zwei Dinge von damals scheint er verdrängt zu haben: seine bitteren Tränen nach verschossenen Penaltys. Und die fragwürdigen Trainingsmethoden einiger Juniorentrainer.

Adi, dehnt ihr jetzt eigentlich nach dem Einlaufen?
Ja klar, wieso?

Erinnerst du dich nicht? Bei Red Star hatten wir noch bei den B-Junioren einen Trainer, der es uns verbot. Er behauptete, Dehnen sei aus medizinischer Sicht unklug. Du warst Captain und hast uns dann jeweils nach dem Einlaufen bei Seite genommen, und wir haben heimlich gedehnt.
(Lacht). Das ist gut möglich. Ich weiss es aber wirklich nicht mehr.

Wir wollen damit nur betonen, dass wir noch als 15-Jährige bei Trainern waren, die solche Dinge von sich gaben und auch mal leicht angeheitert das Training leiteten. Wie hast du es geschafft, trotz eines solchen Hintergrunds Profi zu werden?
Ich denke, das war schon damals nicht wirklich typisch. Ich habe einen sehr speziellen Weg eingeschlagen, Werdegänge wie meinen siehst du heute eigentlich gar nicht mehr. Anders als die jungen Spieler von heute, die von klein auf praktisch nur trainieren und nur ein Ziel haben, konnte ich noch verschiedene weitere Dinge machen, unternahm viel mit meinen Kollegen, ging in die Badi, probierte andere Sportarten aus.

Gab es einen Zeitpunkt, wo du dachtest: Ja, das schaffe ich, jetzt kann ich wirklich Profi werden?
Es war natürlich immer ein Bubentraum. Aber ich dachte mir auch: Eigentlich muss man erst in die U21 des FCZ oder von GC kommen, um den Sprung zu schaffen. Bei Red Star hatte es mir allerdings immer sehr gefallen, ich hatte als sehr Junger meine Einsätze in der ersten Mannschaft und mir bei Uli Forte einen Stammplatz erkämpft. Und dann kamen die ersten Anfragen: die erste, als ich 19 war, von Kriens. Ich besprach das mit Uli. Er sagte mir, es wäre besser, wenn ich die Lehre (zum Elektromonteur, d. Red.) fertig machen würde. Ein Jahr später wurde Uli Trainer von Wil und fragte mich: «Du… chunsch?»

Da war dann nichts mehr mit Lehre?
Doch. Ich sagte, wir seien jetzt ja am selben Punkt wie ein Jahr zuvor, es wäre vielleicht besser, wenn ich erst die Lehre fertig machen würde (lacht). Er war damit einverstanden: Ich schloss also die Lehre ab und wechselte dann erst ein Jahr später nach Wil.

Bedeutet dir dieser Lehrabschluss heute etwas?
Es gibt viele Wege, um als Fussballprofi auch später noch ins Berufsleben einzusteigen. Aber die Lehre war sicher eine Lebensschule: Es war streng, ich begann um 7 Uhr zu arbeiten, war um 17 Uhr fertig, ging dann ins Training, kam nach Hause, ass etwas und ging schlafen. Tag für Tag. Ausser an Tagen, wo ich zur Schule ging oder Hausaufgaben machen musste.

Diese Erfahrungen haben im Profibetrieb wohl nicht viele gemacht.
Nein, ich kenne nicht viele. Wenn, dann haben sie in einer Sportschule eine Lehre gemacht.

Merkst du das? Dass deine Profikollegen vielleicht etwas weniger geerdet sind als du?
So würde ich das nicht sagen. Vielen ist es vielleicht etwas weniger bewusst, wie schön wir es als Fussballer eigentlich haben. Wir haben keine Präsenzzeit, wie man sie sonst im Arbeitsleben kennt. Ich habe das immer sehr geschätzt, wohl auch, weil ich in der Lehre auch andere Erfahrungen gemacht habe.

Nochmals zurück zu deinem Sprung in den Profifussball: Es gab ja schon bei Red Star noch viele andere talentierte Fussballer. Warum hast es ausgerechnet du geschafft?
Ich glaube, der Grund ist dieser unheimliche Ehrgeiz, den ich schon früher hatte. Es gab sicher bessere Fussballer als ich, aber bestimmt nicht so viele, die einfach jeden Match ums Verrecken gewinnen wollten oder ums Verrecken noch diesen einen Sprint gemacht haben. Diesen Ehrgeiz hatte ich von klein auf. Und klar kam dann auch noch das nötige Quäntchen Glück dazu.

Und dass es bei uns nicht reichen würde, hat man gesehen?
Du, Silvan, hattest eigentlich einen richtig guten linken Fuss. Dafür aber einen umso mieseren rechten. Und du, Beni, hast wohl etwas zu viele Schinkengipfeli gefuttert. (lacht) Nein, ich weiss es doch nicht.

Deine Eltern haben dich vielleicht etwas mehr gefördert.
Nein. Aber sie unterstützten mich, wo es ihnen möglich war. Mein Vater arbeitete am Wochenende oft, und wenn, dann kam er mal als Schiri, um ein Spiel von uns zu pfeifen. Und manchmal meine Mutter, um uns Gatorade zu bringen. Aber über Fussball konnte ich mit meinen Eltern nicht reden, die hatten nicht so viel Ahnung (lacht).

Aber dich zu einer «richtigen» Ausbildung gedrängt haben deine Eltern nicht?
O doch! Es gab ja diese Sportschule, wo man neben der Berufsausbildung trainieren konnte. Ich wollte das unbedingt machen. Mein Vater fand, das ginge schon, wenn ich denn irgendwo auf der Strasse 12‘000 Franken fände. So viel kostete das damals. Meine Eltern hatten dieses Geld nicht und wollten, dass ich eine normale Lehre mache. Ich aber trotzte. Dann sagte mir meine Mutter: «Okay, dann kannst du ausziehen.» Es blieb mir also keine Wahl.

Schlussendlich hat es ja doch geklappt mit der Karriere. Ist das Profisein wirklich so geil, wie man es sich als Bub vorstellt?
O ja! Aber es ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Wir hatten zum Beispiel in den letzten vier Wochen keinen einzigen ganzen Tag frei. Und wenn mich jetzt jemand am Abend zum Fondueplausch einlädt, dann muss ich wohl oder übel absagen. Denn am nächsten Morgen muss ich mich im Training ja irgendwie bewegen können.

Die Fussballer-Welt gilt als oberflächlich. Wie kommst du darin zurecht?
(überlegt). Ich würde sagen, dass ich mich in dieser Welt wohlfühle, aber nicht so ein typischer Fussballer von heute bin. Ich mache immer noch viele Streiche, in einer Mannschaft würde es nicht zu viele von meiner Sorte vertragen. Das war schon früher bei Red Star so, da haben Mitspieler geweint, wenn ich und unser Kollege – ihr wisst schon, der mit der tiefen Stimme – sie mit Shampoo übergossen haben.

Heute kannst du dir solche Spässe nicht mehr erlauben?
(schmunzelt) Auch beim FCZ benehmen wir uns nicht immer wie Erwachsene. 

Wenn du die Talente von heute siehst – worin unterscheiden die sich vom jungen Adi Winter?
Fussballerisch sind sie sicher weiter. Auch sonst hat sich viel verändert. Zum Beispiel musste ich als junger Spieler ganz hinten anstehen und das tun, was man mir sagte. Nicht gerade Schuhe putzen. Aber bei Red Star war ich stets eine halbe Stunde früher im Training und schaute, dass kein Ball platt ist. Das wurde von mir erwartet.

Die Spieler heute sind im Vergleich eher verwöhnt?
Man könnte auch sagen: selbstbewusster. Aber ja, es wird ihnen in bestimmten Bereichen schon einfacher gemacht als uns damals. Die haben dieses Profileben halt auch schon früher kennengelernt. Aber das ist auch okay, solange sie uns ältere Spieler respektieren. Wer mich aber schon im ersten Training zu tunneln oder zu überlupfen versucht, der merkt dies dann schon.

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Welche Rolle hat Uli Forte am Anfang deiner Karriere gespielt?
Sicher eine grosse. Ich kam mit 16 unter ihm in die erste Mannschaft bei Red Star und war sozusagen alleine unter erwachsenen Männern. Ich hatte Flausen im Kopf, musste immer einen Witz oder einen Spruch machen. Forte sagte mir: «Wenn du es zu etwas bringen willst, dann musst du einfach tun, was ich dir sage.» Also hatte ich die Wahl: mich anzupassen und die Klappe zu halten oder zurück zu den Junioren, wo ich weiterhin nur zum Plausch getschüttelet hätte.

Fussballerisch hat er von Anfang an an dich geglaubt?
Ganz zu Beginn war das nicht so klar. Einmal, kurz nachdem er mich in die erste Mannschaft geholt hatte, lud er mich und einen anderen Jungen am Morgen zum Spezialtraining vor. Wir mussten jonglieren. Das konnte ich nie richtig gut, ich übte stattdessen lieber neue Sprünge in der Badi. Ich habe mich blamiert, und Uli runzelte die Stirn. Ich habe ihn dann aber im Training überzeugt: Dort bin ich gerannt, bis ich umfiel. Das machte ihm wohl Eindruck.

Forte wurde dann zu deinem Mentor, hat dich nach Wil und St. Gallen mitgenommen. Verlief euer Verhältnis immer reibungslos?
Nein. Ich habe ihn auch schon enttäuscht. Als ich bei St. Gallen war, stellte ich ihn mitten in der Saison vor vollendete Tatsachen, als ich ihm sagte, ich hätte bei Luzern unterschrieben. Da hätte ich sicher besser kommunizieren müssen, schliesslich hatte ich ihm sehr, sehr viel zu verdanken. Aber es wuchs Gras drüber. Wir sprachen uns später aus und haben es heute wieder sehr gut miteinander.

Forte war ja auch mal Trainer bei GC. Damals gab es Gerüchte, dass du erneut zu ihm und somit zu den Grasshoppers wechseln könntest.
Ja, sie wollten mich transferieren, und ich sagte mir, dass ich mir das Angebot mal anhöre. Ich war in Luzern unter Komornicki nicht so glücklich, dann wollte mich mein Mentor Forte holen. Und GC war damals erfolgreich, sie hatten ja soeben den Cup gewonnen. Aber Luzern blockte ab.

Also war GC für dich eine Option?
Was soll ich sagen. Ich wuchs als FCZler auf. Ob es wirklich so weit gekommen wäre, weiss ich nicht, aber als Profi bist du nun mal auch erfolgsorientiert, und ich hätte mit dem Wechsel schon eine vertragliche und sportliche Verbesserung erreicht. Aber natürlich muss der ganze Rest auch immer stimmen. Mit GC hat es sich dann anders ergeben, und ich bin heute überglücklich, dass ich beim FCZ bin.

Hand aufs Herz, was für eine Rolle spielt das Gehalt bei einem möglichen Transfer?
Wenn du als Junger von einer der unteren Ligen kommst, verdienst du nicht viel Geld, aber das ist dir auch völlig egal. Du willst einfach nur spielen. Aber wenn du dich einmal durchgesetzt hast, fängst du dich natürlich an umzuhören. Du weisst auch, was andere verdienen, und stellst dir Fragen wie: Was bin ich wert für eine Mannschaft? Es ist nicht so, dass ich dem Geld nachrenne, aber du hast natürlich auch im Hinterkopf, dass deine Zeit als Profi begrenzt ist und du etwas Geld auf die Seite legen möchtest.

Bei Red Star bei den Junioren warst du nicht unbedingt FCZ-Fan, oder? Da gab es doch mal eine YB-Phase.
Ja, das war aber nur wegen Gürkan Sermeter. Aber mein Vater ist seit eh und je der grösste Züri-Fan. Er war sogar für den FCZ, als ich mit St. Gallen und Luzern gegen ihn spielte. Drei Mal habe ich mit Luzern gegen den FCZ ein Tor erzielt. Das machte ihn richtig hässig. Aber jetzt ist er der Stolzeste überhaupt. Er fuhr auch mit dem Car nach Villareal, mit dem Südkurven-Car. Zürich ist alles für ihn.

Für euch sind die Highlights wohl der Europacup. Wie schwierig ist die Umstellung in wenigen Tagen zum Alltag?
Schwierig in diesem Sinne ist sie nicht, weil ich einfach für mein Leben gern Fussball spiele und mich auf jeden Match freue. Ich brauche dieses Adrenalin, diese Spannung, die Vorfreude – egal ob gegen eine Amateur-Mannschaft oder in Europa. Und ich bin allergisch auf Verlieren.winter3


Was ist der Unterschied zwischen der Schweizer Liga und der MLS?

Schwer zu sagen. Taktisch haben die Mannschaften in Amerika noch ziemliche Defizite. Aber diese jungen Amis, das sind Athleten mit übertriebener Kraft und Dynamik. Puhhhh – Maschinen, sag ich euch. Dann hast du die Südamerikaner mit ihrer krassen Technik, die können alles am Ball. Bei uns hatten wir auch noch die Engländer. Wenn das Spiel begann, konnten die auf einen Knopf drücken, und dann marschierten sie 90 Minuten. Da passt du dich entweder an – oder wirst gefressen.

Also nichts mit Sonne und «easy money».
Ich kam dort grausam auf die Welt. Speziell ist auch: Es interessiert niemanden, was du nach dem Spiel oder neben dem Platz machst, ob du dir einen Hamburger gönnst oder am Strand rumliegst. Du musst einfach auf dem Platz – peng – parat sein. Für mich war das irgendwie genau das Richtige. Vor dem Spiel: hier ein Witzchen, da ein Spruch. Und dann am Match parat sein. Das habe ich meistens hinbekommen.

In jeder amerikanischen Mannschaft gibt es drei, vier grosse Namen. Ist deren Qualität so viel höher?
Vielleicht in dem Sinn, dass sie genau wissen, was sie machen müssen, um das Leistungsniveau zu halten. Kakà ist ein super Spieler. Er hatte aber nicht dieselbe überragende Technik wie andere, mit der er Defizite wettmachen konnte. Also hat er vor und nach dem Training Extraschichten mit seinem Personal Trainer geschoben.

Wie waren die Fans in Amerika?
Wir hatten einen Schnitt von über 30 000. Sie kommen vor allem fürs Spektakel. Wenn du 1:0 gewinnst, sagen sie, okay, wir haben gewonnen. Aber wenn du 4:5 verlierst, dann schwärmen sie von einem geilen Match. Es ist einfach eine andere Welt dort, auch von der Zeit, die du aufwenden musst, um Fotos zu machen und Autogramme zu geben.

Du kamst dann nach einem Jahr in die Schweiz zurück. Zu den Gründen für diesen Schritt hast du dich nie genau geäussert.
Dabei soll es auch bleiben, denn die Gründe sind privat. Ich hätte mir vorstellen können, in Amerika zu bleiben, aber dann hat sich das – sehr kurzfristig – anders ergeben.

Bevor du nach Amerika wechseltest, stand auch ein Engagement in der Bundesliga im Raum.
Genau. Ich war im Test bei Darmstadt, wo ich sehr gut mithalten konnte. Es hat aber dann nicht geklappt. Das mag euch jetzt vielleicht erstaunen, aber die Bedingungen dort waren schlechter als, sagen wir jetzt mal, in Luzern. Ich rede jetzt nicht mal vom Vertrag: das Stadion, die Garderoben, die Physios… Und ich fand die Stadt auch nicht besonders schön. Da sagte ich mir, ich muss nicht dorthin, nur um später einmal sagen zu können, ich hätte in der Bundesliga gespielt.

Bist du denn mit deiner bisherigen Karriere zufrieden?
Ja, ich habe viel gesehen, dieses Jahr in Amerika hat mich extrem weitergebracht. Diese Spiele im Europacup jetzt sind natürlich ein Erlebnis. Und dann war ja noch das Länderspiel mit der Nati.

Das war 2012, ein Freundschaftsspiel gegen Rumänien.
Ja, das war geil. Ich war damals das erste Mal so richtig, richtig stolz. Als die Nationalhymne lief, hatte ich schon etwas mit den Tränen zu kämpfen. Das ist etwas Unbeschreibliches, da fühlt man sich wieder wie ein kleiner Bub. Wir verloren zwar 0:1, aber das Luzerner Publikum hat mich als einen der Ihren natürlich trotzdem bejubelt.

Warum blieb es bei dem einen Nati-Aufgebot?
Ich war danach nicht mehr auf dem Niveau der Vorjahre. Wir hatten ein Durcheinander bei Luzern, es lief nicht so richtig. Und um in der Nati zu spielen, musst du entweder «Top of the Pop» in der Schweiz sein oder dich im Ausland bei einem guten Verein durchgesetzt haben. Da muss man neidlos anerkennen, dass es Bessere gab als mich.

Dieses Interview erschien in einer längeren Fassung erstmals in ZWÖLF #58, der Ausgabe vom Januar 2017.

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