12 Jahre, 12 Momente

ICH BIN SO FREI

Dasch emol e Goal!

20. März 2011, Grasshoppers – FC Basel

 

Markus Steinhöfer

«Ich kann mich noch sehr gut an diese Szene im März 2011 erinnern. Zehn Minuten vor Ende der Partie bei den Grasshoppers – es stand 1:1 – hämmerte Alex Frei einen Freistoss aus 30 Metern in den rechten Winkel. Ein Traumtor! Und das kam nicht von ungefähr. Alex hat immer Torschüsse und Freistösse geübt im Training. Er war bis zum Schluss sehr ehrgeizig. Alleine in meiner Zeit beim FCB hat er 7, 8 Freistosstore gemacht – eines schöner als das andere. Nie habe ich mit einem besseren Standard­schützen zusammengespielt. Er hatte nicht nur die Technik dafür, sondern eben auch das nötige Selbstvertrauen.

Bei diesem Treffer war die Situation zudem eine spezielle: Spiele in Zürich sind für den FCB immer etwas Besonderes. Und mit diesem Sieg konnten wir die Weichen auf Meisterschaft stellen. Darum war der Jubel auch besonders gross. Ich war auch ganz vorne dabei. Das hatte aber nichts zu bedeuten. Ich war wohl einfach am schnellsten bei Alex. Dragovic und ich umklammerten ihn und schrien, er klopfte auf die Kamera und schrie: ‹Dasch emol e Goal!›

Die Aktion war schon typisch für ihn. Erst, wie er sie reinhaut, und dann auch, wie er von sich und seinem Tor überzeugt ist und das auch zeigt. Das finde ich aber völlig legitim. Ich würde schätzen, 95 Prozent der Super-League-Spieler würden ähnlich jubeln nach so einem tollen Tor. Bei ihm wurde das seines Standings wegen besonders kritisch angeschaut, und es hiess, er sei zu sehr von sich selbst eingenommen. Aber er hat stets seine Leistung abgeliefert, dann darf man sich auch mal feiern.

Zum Jubel von Alex fielen danach natürlich einige Sprüche in der Kabine. Er selber konnte auch darüber lachen. Er ist ein ganz lockerer und cooler Typ. Ich habe ihn im ersten Trainingslager ­besser kennen gelernt, als er mein Zimmergenosse war. Er gibt sich nach aussen verschlossener, als er ist. Vielleicht ist das eine Art Schutz, weil er eben doch eine grosse Nummer ist. Wenn er auf den Platz geht, will er um alles in der Welt gewinnen. So verbissen, wie er auf dem Platz manchmal rüberkam, war er auf keinen Fall.

Wir hatten beim FCB einige Spieler, die immer gerne Spässe gemacht haben. Gerade die Jungen wie Shaqiri, Xhaka oder Dragovic taten sich da hervor. Das lockerte die Stimmung auf, und davon liess sich auch Alex gerne anstecken.

Bei so einem Traumtor freut man sich auch als Mitspieler besonders. Es ist zwar ein abgedroschener Spruch, aber der Mannschafts­erfolg steht über allem. Beim FCB war das besonders ausgeprägt. Es war völlig egal, wer das Tor machte. Hauptsache, wir konnten gewinnen. Das hat uns auch so stark gemacht. Für mich war Basel die ­speziellste und schönste Station meiner Karriere. Diesen Zusammenhalt in der Mannschaft habe ich nirgendwo sonst so erlebt.» ­(aufgezeichnet von Mämä Sykora)