12 Jahre, 12 Momente

AUSGESCHLITTERT

Carlos Varela bringt den Wintersport ins Stade de Suisse

18. Juli 2008, BSC Young Boys – FC Basel

Luzi Fricker und Brian Ruchti, Reporter

«Taten sprechen lauter als Worte. Das stimmt meistens, aber eben nicht immer. Carlos Varela war Schweizer Meister, spielte in der Champions League und wurde zeitweise in die Nationalmannschaft gefordert. Der Mann hat also durchaus einiges an Taten aufzuweisen. In Erinnerung bleiben wird er uns Fussballfans aber besonders seiner Worte wegen.

18. Juli 2008: YB hatte gerade durch ein Tor von Beni Huggel in der 88. Minute zu Hause 1:2 gegen Basel verloren. Wie so oft war YB die bessere Mannschaft gewesen, aber wie so oft hatte es nicht ganz gereicht. Wir machten uns in der Medienzone daran, von unseren YB-Helden Statements fürs Radio ein­zufangen – und bekamen nur die üblichen Plattitüden zu hören: ‹Wir müssen effizienter werden›, ‹In der Schlussphase waren wir zu wenig cool›, ‹Vor dem Tor fehlte uns die Erfahrung›.

Doch dann kam Carlos Varela. Nach der Nieder­lage sichtlich getroffen und noch immer mit erhöhtem Puls. Sein Frust war unübersehbar, und er sparte nicht mit Seitenhieben gegen den FCB, wo sie seiner Ansicht nach ‹nur stehende Bälle ­schutten ­können›. Obwohl er sich im Laufe des Gesprächs immer mehr hinein­steigerte, war nicht vorauszusehen, was dann kommen würde.

Dafür brauchte es Valentin Stocker. Das direkte Gegenüber Varelas betrat laut lärmend die Mixed Zone und jubelte provokativ in Richtung des YB-Heisssporns. Dann kam er, der Satz für die Ewigkeit: ‹Häb di Schlitte, du huere Schissdrägg du.›

Ein Satz, der sofort Kult wurde. Ein Satz, den man in Bern noch heute hört, auch wenn Fussball gerade gar nicht Thema ist. Ein Satz also, der sich ins Sprachrepertoire vieler Menschen eingeschlichen hat. Carlos Varela ist gelungen, was nur wenigen gelingt: Er hat eine eigene Sprachwendung erfunden. Auch wenn mittlerweile viele den Ursprung des Zitats gar nicht mehr kennen, wenn sie ihren Kollegen ein gepflegtes ‹Häb di Schlitte› mit auf den Weg geben.

Varela litt mit, auf und neben dem Platz. Er blieb authentisch, auch dann, wenn ihm jeder Mediencoach der Welt zur Ruhe geraten hätte. ‹Häb di Schlitte› entstand genau deswegen. Dafür sagen wir: Danke Carlos.»