12 Jahre, 12 Momente

ERÖFFNUNGSTANZ

Chikhaoui weiht den Letzigrund mit einem Slalom ein – mitten im Ramadan

23. September 2007, FC Zürich – Grasshoppers

Bernard Challandes

«Eineinhalb Jahre lang hatte der FCZ im Hardturm spielen müssen, endlich war der Umbau des Letzigrunds fertig und konnte mit einem Derby eingeweiht werden. Und was für eine Eröffnung das war! Ich kann mich nicht mehr an jedes Detail erinnern, aber Chikhaoui erhielt den Ball gleich nach dem Anstoss. Und es folgte eine für ihn typische Aktion: Er dribbelte. Als Trainer denkt man beim Zuschauen: ‹Jetzt muss er den Ball abspielen.› Dann schlägt er einen Haken. Stellt sich der nächste Verteidiger in den Weg, denkt man: ‹So, aber jetzt muss er abspielen.› Und wieder schlägt er einen Haken. Und dann noch einen.

Aber Chikhaoui setzte sich mit seiner Klasse durch. Er war unberechenbar und zu jener Zeit unglaublich gut. Zum Schluss schob er den Ball abgeklärt an Goalie Jakupovic vorbei, nachdem er nicht weniger als fünf GC-Spieler hatte stehen lassen. Wir führten nach nicht einmal 40 Sekunden mit 1:0.

Es war Herbst, aber an jenem Tag ungewöhnlich heiss. Und es war Ramadan. Diesen nahm Chikhaoui sehr ernst. Er ass tagsüber nichts. Und er trank auch nichts, obwohl wir ihn davon zu überzeugen versuchten.

Wer sagt, Chikhaoui spiele eigensinnig und nur für die ­Galerie, liegt falsch. Natürlich hat er manchmal zu viel gedribbelt. Aber im Training sagte ich ihm manchmal, er solle egoistischer sein. Vor allem vor dem Tor. Es kam vor, dass er im Training alle ausspielte und vor dem Tor den Ball einem Mitspieler zuschob. Als sei er am Tore­schiessen gar nicht interessiert! Tatsächlich verbuchte er stets viele Assists.

Probleme hatte ich hingegen, wenn er in der eigenen Platzhälfte dribbelte. Besonders wenn er dabei den Ball verlor. Das passierte auch im Training manchmal. Beispielsweise wenn er den Ball vom Torhüter kurz zugespielt erhielt und sich dann beim Dribbling den Ball abluchsen liess, was oft zu einem Gegentor führte. Ich sagte ihm, in der eigenen Platzhälfte solle er einfach und ruhig spielen. Auf den letzten 30 Metern vor dem gegnerischen Tor hingegen dürfe, ja solle er sogar machen, was er wolle. Ich wollte, dass er 1:1-Situationen sucht. Denn da hatten die Verteidiger einen sehr schweren Stand gegen ihn.

Chikhaoui war damals der grosse Star im Team des FCZ. Bald da­rauf begannen seine Knieprobleme, die Operationen. Damit verlor er viel Zeit. Schade. Dieses 1:0 gegen GC ist eines von drei Toren, die mir aus meiner Zeit beim FCZ in bester Erinnerung geblieben sind. Daneben sind es Tihinens Absatztor gegen die AC Milan in der Champions League und die Direktabnahme von Hassli aus 30 Metern in einem Match gegen YB.» (aufgezeichnet von Michael Lütscher)