12 Jahre, 12 Momente

SCHMACH MAL VIER

Giménez’ Show gegen GC zur Wachablösung

12. September 2004, FC Basel – Grasshoppers

Pascal Zuberbühler

«Eigentlich ist für mich ein anderes 8:1 legendär: die Niederlage mit dem FCB im Startspiel in Sion drei Jahre zuvor. Damals holten wir das Double, und es folgte die erste unvergessliche Champions-League-Teilnahme. Der Grundstein für die weiteren Erfolge war gelegt. Der 8:1-Sieg gegen GC kam quasi während dieser noch anhaltenden Euphorie.

Natürlich war es ein spezieller Sieg – nicht nur, weil ich weiss, wie schmerzhaft eine 1:8-Niederlage ist. Es war die 8. Runde, beide Teams hatten noch nie verloren, aber einige Male unentschieden gespielt. Wir wollten etwas zeigen. Spiele gegen GC waren zudem immer besonders. Wir hatten einige Spieler, die vor nicht allzu ­Langem von dort zum FCB gekommen waren, etwa Boris Smiljanic oder Mladen Petric. Mein Wechsel von GC war zwar schon einige Jahre her, aber für uns alle war klar, dass wir den Fans im Spiel gegen den Ex-Klub zeigen müssen, dass wir jetzt für Basel alles geben.

Schon zur Pause stand es 5:0. Das Ziel war dann, nicht noch zwei oder drei Tore zu bekommen. Umso schöner, dass wir noch drei geschossen haben. In der Kabine nach dem Spiel schauten wir uns an und staunten: ‹Wow, das war leicht!› Wir haben sie brutal auseinander­genommen, demoliert. Die Wachablösung im ­Schweizer Fussball, die wir 2002 eingeleitet hatten, war definitiv vollzogen.

Mich ärgerte das Gegentor. Vor allem, weil ich sonst praktisch nichts zu tun hatte. Es war ein Angriff von der Seite, Rogerio traf ins lange Eck. Am Abend war ich noch immer ziemlich sauer, aber es liess bald nach. Zu gross war die Freude über das sensationelle Resultat und die Leistung des Teams. Christian Giménez trumpfte mit seinen vier Toren besonders auf. Dass er nach einer Stunde ausgewechselt wurde, obwohl er die Chance hatte, mit fünf oder mehr Toren in einem Spiel bis heute alleiniger Rekordhalter in der Super League zu sein, war kein Thema.

Er war ein Goalgetter wie aus dem Lehrbuch, stocherte immer im Strafraum herum, ging in die Tiefe und setzte jedem Ball nach. Gegen GC bewies er das einmal mehr – praktisch jede Ballberührung führte zu einem Tor. Christian Gross schaffte es wie immer, ihn heiss auf das Spiel zu machen. So sind sie, die Gauchos: Wenn du sie motivierst, marschieren sie von Anfang an wie wild. Alle im Team freuten sich mit Giménez über seine vier Tore. Er war auch neben dem Platz ein super Typ. Immer positiv und hilfsbereit.

Der FCB hat sich die gesunde Arroganz, die es braucht, um eine Liga zu dominieren, auch mit diesem 8:1 erarbeitet. Solche Spiele geben Selbstvertrauen, das Team tritt danach anders auf. Es war harte Arbeit, bis wir so weit waren. Und diese Arbeit führt der FCB bis heute ausgezeichnet weiter.» (aufgezeichnet von Raphael Rehmann)