12 Jahre, 12 Momente

KNOPF IM BEIN

Hasslis Zaubertor gegen Servette

24. April 2004, Xamax – Servette

Éric Hassli

«Aber natürlich erinnere ich mich an diesen Abend! Ich war erst seit ein paar Wochen bei Xamax, und es war mein erstes Super-League-Tor. Als ich reinkam, lagen wir gegen Servette bereits 5:1 vorne. Ich bekomme den Ball an der linken Strafraumgrenze. Vor mir steht noch Christophe Jaquet, damals Nati-Verteidiger. Ich lege den Ball mit der rechten Sohle vor, mache den Übersteiger mit links, kreuze die Beine und lege das Leder mit der rechten Fussspitze am stolpernden Jaquet vorbei. Der Weg ist frei, und ich knalle den Ball in die weite Ecke.

Das Dribbling hatte ich mir vom Brasilia­ner Ronaldo abgeschaut. Schon als kleiner Junge habe ich genau studiert, was die Gros­sen machen, und das jeweils nach­geahmt. Im Gegensatz zu anderen zog ich das auch als Profi durch. Ich weiss, am Ende zählt im Fussball nur das Resultat. Aber ich will eben auch Spass haben am Spiel, die Fans unterhalten. Wenn ich die Gelegenheit habe, etwas Verrücktes zu tun, dann zögere ich selten.

Nicht immer hatten die Mitspieler und Trainer Freude an meiner Spielweise. ‹Jetzt hör mal auf damit! Bei uns geht das nicht›, wetter­ten sie, wenn ich wieder einmal den Ball vertändelte. Ich verstehe das ja. Aber ihr müsst auch wissen: Ich bin kein Egoist, ich lasse mich im Spiel einfach von meinem Instinkt leiten. Und da vertändelt man halt auch einmal den Ball im Mittelfeld.

Anderen gelingen solche Dinge im Training auch – aber im Match wagen sie nichts. Bei mir ist das kein Problem, ich habe genügend Selbstvertrauen. Aber ich bin auch ein sehr sensibler Spieler. All diese spektakulären Tore – der Weitschuss gegen YB, die Direkt­abnahme gegen GC oder jene für Vancouver – sind mir zu einer Zeit gelungen, wo ich spürte, dass mich im Klub alle gern hatten. Zwei Monate nach dem Tor wechselte ich von Xamax zu Servette. Und auf wen traf ich da? Genau, Christophe Jaquet. ‹Dich verhaue ich gleich!›, rief er zum Spass.

Die Schweizer Liga verfolge ich jedes Wochenende. Aber langsam nervt es mich, dass Basel immer gewinnt. Ich will mal wieder den FCZ oben sehen!

Mit San Antonio spiele ich in der NASL, der 2. US-Liga. Kürzlich trafen wir auf New York Cosmos und Raúl. Man merkt, dass er keine 20 mehr ist, aber seine Ballbehandlung lässt sich natürlich noch immer sehen. Gerne würde ich noch einmal auf etwas höherem Level spielen. Vielleicht zieht es mich zurück nach Europa.» (aufgezeichnet von Silvan Kämpfen)