12 Jahre, 12 Momente

MARDER ON THE DANCEFLOOR

Ein Flitzer im Pelz unterbricht die Partie in Thun

10. März 2013, FC Thun – FC Zürich

 
Günther, Marder

«Eigentlich bin ich an jenem Tag nur vorbeigekommen, um mich zu beschweren. Seit der FC Thun dieses neue Stadion bezogen hatte, massen wir bei Heimspielen bei uns im Marder­bau regelmässig mehrere Dezibel über dem erlaubten Wert! Die Beschwerde, die wir zusammen mit anderen Nachbarn einreichten, fruchtete nicht.

Auch gegen den FCZ war es wieder mal zu laut. Während des Spiels fand ich keinen Ansprechpartner, also schaute ich eine Weile der Partie zu. Und seien wir ehrlich: Es war himmelschreiend langweilig. Den Entschluss für den Platzsturm fasste ich dann spontan. Klar kannte ich die Videos all jener unansehnlicher hüllenloser Flitzer. Dagegen wollte ich ein Zeichen setzen. Leider blieb mir keine Zeit für ein Transparent unserer Kampagne ‹Lieber im Pelz als nackt›. Aber ich glaube, man hat meine Beweggründe auch so verstanden. Schliesslich dauerte mein Auftritt mehrere Minuten!

Erst wollte ich nur einmal quer übers Feld rennen. Doch diesen Kick, den dir jubelnde Zuschauer geben, den willst du immer wieder erleben. Ich war sofort süchtig. Ewig hätte ich weitermachen können. Denn die erbärmlichen Einfangversuche der Helfer mit gross­maschigen Netzen und Jacken hätten nie gefruchtet.

L­eider kam dann aber dieser Benito. Ich hatte mich ja immer gefragt, wie Menschen wohl schmecken. Er jedenfalls nach einer Mischung aus Amsel und Eidechse. Nicht übel jedenfalls. Von diesem Goalie Da Costa konnte ich der Handschuhe wegen leider nicht probieren. Aber ich mag ohnehin kein portugiesisches Essen. Zu fade.

Würde ich es nochmals machen? Auf jeden Fall! Aber das wird nun leider schwierig. Ihr kennt die Gesetze: Eintrag in die Hooligan-Datenbank, Rayonverbot, schweizweites Stadionverbot. Besonders hart ist es, wenn ich in meinem Bau rumhänge und die Fans jubeln höre. Denn ich weiss, sie würden noch viel mehr jubeln, wenn sie mich wieder sehen könnten.»