12 Jahre, 12 Momente

RUSSISCHES ROULETTE

Bulat bastelt sich eine Bankgarantie

6. November 2011, Xamax – SFL


Thomas Grimm, Ex-SFL-Präsident

«Zum ersten Mal habe ich Bulat Tschagajew in Genf in seinem Büro getroffen. Ich habe um dieses informelle Gespräch gebeten, da die finanzielle Lage von Xamax schon Anlass zur Sorge gab. Er zeigte mir damals auch Kontoauszüge, die in Ordnung aussahen. Damit hätte er das Xamax-Budget stemmen können. Tschagajews Problem aber war, so erklärte er mir, dass er das Geld nicht in die Schweiz bringen konnte – wegen Hürden der Banken. Ich bot meine Hilfe an, vermittelte ihm einen Spezialisten.

Wir als Liga hatten damals ja keine andere Wahl, als zu ­hoffen, dass Tschagajew das aufgeblähte Budget von Xamax stemmen kann. Denn die Lizenz hatte noch Vorgänger Bernasconi erhalten, der den Klub und auch dessen Lizenz in einer Disco, so erzählt man, an Tschagajew verhökerte. Aus dieser Geschichte hat die Liga gelernt: Heute gibt es nach einem Wechsel der Aktienmehrheit ein neues Lizenzierungsverfahren.

Wer Tschagajew am TV sah, mochte vielleicht an seiner Seriosität zweifeln. Aber in den 23 Jahren, in denen ich jetzt im Sport tätig bin, war ich viel im Osten unterwegs. Da habe ich schon Klubpräsidenten mit deutlich schlechteren Manieren kennen gelernt. Zum Vergleich: Majid Pishyar wirkte im Auftreten wesentlich souveräner, wenn er über seine 72 Firmen im Iran referierte. Doch er ritt Servette genauso ins Elend.

Nachdem mir mein Bekannter von der Bank offenbarte, dass sich Tschagajew gar nie bei ihm gemeldet hatte, läuteten aber end­gültig die Alarmglocken. Wir wollten nun Bankgarantien sehen. Es trafen dann auch welche ein, angeblich von der Bank of America. Unsere Finanzspezialisten haben sofort gesehen, dass da nur eine statt der nötigen zwei Unterschriften drauf waren und die Dokumente Rechtschreibfehler [der Unterzeichnende schrieb sich ­‹Thomas Milller› mit drei ‹l› – die Red.] enthielten. Die Staatsanwaltschaft ­bestätigte später: Die Garantien waren gefälscht.

Wenn man mich nun fragt, was Tschagajew eigentlich wollte, kann ich darauf auch keine klare Antwort geben. Meine russische Quelle sagte, der tschetschenische Präsident habe damals einen Fonds geäufnet, um für Tschetschenien im Ausland zu werben. Tschagajew habe zuerst davon profitiert, sich dann mit ihm verkracht und deshalb kein Geld mehr aus diesem Topf erhalten. Vielleicht ist das eine etwas abenteuerliche Erklärung. Aber sie würde bedeuten, dass Tschagajew nicht von Anfang an die Absicht hatte, den Klub in den Konkurs zu treiben.» (aufgezeichnet von Silvan Kämpfen)