12 Jahre, 12 Momente

3 MAL ROT = SIEG

Tréand findet acht gegen elf nicht unfair

1. Mai 2011, Xamax – FC St. Gallen

Geoffrey Tréand

«Gerne rede ich ja nicht darüber. Denn ohne mein Tor damals im Mai 2011 wäre St. Gallen nicht abgestiegen, sondern Xamax. Und heute spiele ich für die Ostschweizer.

Die Partie damals war einfach nur verrückt. Deshalb erinnere ich mich auch noch so genau daran. Schon nach einer Minute schoss uns Ibrahim Niasse in Führung. Da wussten wir schon: Ein normales Spiel wird das nicht.
Als ich nach 70 Minuten eingewechselt werden sollte, waren wir nur noch zu zehnt. Und just in diesem Moment spendierte Gelabert dem Schiedsrichter höh­nischen Applaus. Der Schiedsrichter zeigte ihm Gelb-Rot. Wir waren jetzt zwei Mann weniger.

Es war extrem heiss, und das Spiel wogte hin und her. Nach einem Konter hätte ich das zweite Tor machen müssen. Nuzzolo vergab gar mehrmals. Und dann gleichen die St. Galler in der 89. Minute aus. Nuzzolo grätschte noch einen um und musste raus. Da habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als den Abpfiff.

In so einem Spiel gibt es überhaupt keine Logik mehr. Nicht einmal eine Taktik. Es ist nur noch Glückssache. Auch die Mannschaft, die noch in Vollbesetzung spielt, hat es nicht einfach. Man sagt sich wohl: ‹Die sind ja drei Mann weniger›, wiegt sich in falscher Sicherheit und vernachlässigt vor lauter Angreifen die Defensive.

So kam es dann auch zu diesem letzten Konter. Besle, der heute mit mir beim FCSG spielt, haute den Ball nach vorne, den ich erlaufen konnte. Der Kunstrasen war sehr trocken. Im Dribbling gegen Gonçalves hatte ich viel, viel Glück, dass er auf den Hintern fiel und der Ball gleichzeitig in meinen Füssen blieb. Nun war ich plötzlich alleine vor Lopar und traf. Ein Sieg zu acht gegen elf, und das mitten im Abstiegskampf – einfach nur verrückt.» (aufgezeichnet von ­Silvan Kämpfen)